Reisebericht Israel und wie ich es sehe

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Meine Geschichte der Israelreise beginnt weit vor dem Buchen eines Flugtickets oder einer Unterkunft, aber vor allem ist es nicht nur meine Geschichte. Es ist die von vielen Jugendlichen, die durch den sehr engagierten Einsatz von zwei Lehrern, ihrem jungen Leben ein ziemlich tolles Kapitel hinzufügen konnten.

Dies wird mein erster Reisebericht auf diesem Blog sein, und ich will Euch zeigen, wie sehr mich diese Zeit auch heute noch mit Glück beschenkt.

Wenn ich von diesem Land erzähle, dann strahlen meine Augen, dann sind da wundervolle Erinnerungen, so viel gibt es zu erzählen, dass es mich fast schon sprachlos macht und ich einfach nur strahlen will, denn genau dieses Strahlen beschreibt eigentlich alles.

Angefangen hat es mit einem Ganztagesangebot in meiner Schule. Damals sah ich nur einige Bekannte von mir, mit rasender Geschwindigkeit den Gang runter rennen, in ihrer Hand: ein Stift und ihr Ziel: eine Stellwand. Neugierig wie ich war ging ich hin und fragte was da so wichtiges sei, die Antwort: Ein neues Ganztagesangebot sei draußen, ziemlich cool und es gibt nur wenige Plätze. Etwas verwirrt blieb ich zurück, stellte aber in den folgenden Wochen fest, dass es sich um einen Jugendaustausch handelte, auf den man sich 1 Jahr vorbereitet. Zu dem Zeitpunkt war ich allerdings noch zu jung um mitzumachen, also lies ich mir immer wieder mal was erzählen und bemerkte: Das will ich auch!

Gesagt, getan – so saß ich ca. 1,5 Jahre später am Freitag Nachmittag in einem Raum mit anderen Mitschülern, aß Kuchen und lernte viel über die Geschichte, Kultur, Religion und Politik von einem Land namens ISRAEL. 1 Jahr lang ging das fast jede Woche so, bis es hieß: die israelische Jugendgruppe kommt uns besuchen. Es galt ein Programm zu erstellen, Gastfamilien unter uns zu finden und aufgeregter und aufgeregter zu werden.

Als dann die Jugendgruppe da war, stand ein bunter quirliger Haufen vor uns unter der Leitung von Shmulik, deren Reiseleiter. Noch heute wird uns immer wieder, auf eine amüsante Art und Weise vorgehalten, dass wir die Jungs und Mädels ganz schüchtern, in einer Reihe stehend empfingen. Doch das Eis war schnell gebrochen und so erlebten wir eine wunderbare Zeit zusammen in Deutschland. Deren Ende war ziemlich tränenreich, aber wir wussten: bald sehen wir uns in Israel wieder.

Gruppenbild in Deutschland
Gruppenbild in Deutschland

Nun kam die Zeit, zusammen mit den Eltern und Lehrern alles zu planen. Meine erste große Reise stand an, so richtig weit weg ging es dieses Mal, sogar auf einen anderen Kontinent, denn Israel gehört ja schon zu Asien. Ich hab keine Ahnung mehr wie es den Jungs damals ging, aber in meinem Kopf schwirrten nur Gedanken wie: Ich brauche einen großen Koffer, ich muss einen Reisepass beantragen, ich brauch eine große Menge Wechselsachen ,…. und nebenbei galt es noch die Familie zu beruhigen, da ja Israel schon 2010 etwas risikobehaftet war.

Als dann alles so weit fertig war und der Tag des Abflugs anstand, freute ich mich total. Es waren Ferien, ich durfte das erste Mal fliegen und irgendwie war ja alles total aufregend, eine große Klassenfahrt (natürlich mit Bildungshintergrund) eben.
Nun fuhren wir zum Berliner Flughafen, damals war das glaub ich Schönefeld. Nach einer gewissen Wartezeit ging es dann endlich los und ich Glückspilz hatte sogar einen Fensterplatz.
Wie wunder- wunderschön unsere Welt doch von oben aussieht, dachte ich damals. Da ich allerdings noch keine Ahnung vom Fliegen hatte waren auch ein paar amüsante Dinge dabei. Zum Beispiel dachte ich, wenn es blinkt draußen, dann fliegt ein anderes Flugzeug an uns vorbei, allerdings blinkte es recht oft und nach einigen verwunderten Gedankengängen stellte ich fest: oh, das ist ein Gewitter neben uns!
Auch mit dem Druckausgleich kam ich nicht gleich zurecht, als wir in Tel Aviv (die Hauptstadt von Israel) ausstiegen, hörte ich erstmal nicht viel, bis es mir dann gelang damit klarzukommen.

Was fielen wir uns mit den Mädels am Flughafen in die Arme! Endlich sahen wir uns wieder, wohlbemerkt nach einer recht kurzen Zeit.
Nun konnte das Abenteuer beginnen. Ich wohnte zusammen mit einer anderen Mitschülerin bei der Familie eines israelischen Mädchens aus der Jugendgruppe. Viele Dinge waren neu. Da war zum einen der israelische Fahrstil, sehr chaotisch, ab und an lebensmüde, aber hin und wieder auch sehr lustig. Desweiteren war ich total fasziniert von der Tatsache, dass ich einfach in den Garten gehen und von den dortigen Bäumen Zitronen und Orangen pflücken konnte. Zauberhaft, sag ich Euch, zauberhaft, das fand ich glaub mindestens genauso klasse wie die Israelis in Deutschland Kühe und Trabbis.
Auch beim Essen und Trinken galt es Neues zu lernen, als uns beim Abendbrottisch „Humus“ angeboten wurde, schauten wir nicht schlecht – Erde sollten wir essen? Nach einigen Verständigungsschwierigkeiten wurde uns dann mit Hilfe von Bildern erklärt, dass es sich lediglich um Kichererbsenbrei handelte. Das hatte ich noch nie zuvor gehört oder gegessen und ich muss zugeben, als ich es damals in Israel probierte schmeckte es mir auch nicht, was sich mittlerweile jedoch geändert hat. Noch dazu lernten wir, dass Trinkwasser ziemlich rar und kostbar ist und immer gefiltert oder abgekocht werden muss, bevor man es trinken kann.

Mein erster Eindruck vom Mittelmeer
Mein erster Eindruck vom Mittelmeer

Unser ganzer Aufenthalt fand allerdings nicht nur in den Gastfamilien statt. So machten wir uns auch auf, zu einer Rundreise in einem kleinen Bus.
Erster Stop war Haifa, das ist die drittgrößte Stadt Israels und liegt direkt am Mittelmeer. Hier schauten wir auf den Bahai Tempel und seine Gärten. Und ich sag Euch – was für ein Blick, so wunderschön. Da stehst du oben, schaust auf das alles herunter und denkst dir einfach nur: dass es sowas gibt! Hätte zu dem Zeitpunkt jemand mir gesagt, dass es die ganze Zeit so schön und bewundernswert weiter geht – ich hätte denjenigen vermutlich ausgelacht.

Blick auf die Hafenstadt Haifa
Blick auf die Hafenstadt Haifa

Als nächstes ging es nach Akkon, hier schauten wir uns die Altstadt an, welche seit 2001 komplett als Weltkulturerbe gilt, da sie eine langjährige interessante Geschichte mit sich bringt.

Impression Akkon
Impression Akkon

Anschließend fuhren wir in die Richtung unserer Übernachtungsstätte für die nächste Nacht. Da erwartet man ein kleines Hostel und dann steht man auf einmal vor „Karei Deshe“ am See Genezareth. Nicht ohne Grund gilt sie als eine der schönsten Jugendherbergen Israels.

erster Eindruck von Karei Deshe
erster Eindruck von Karei Deshe

Mittendrin war einfach mal eine Art kleiner Dschungel und ging man hinten raus konnte man in den See eintauchen, von dem man sonst immer nur im Religionsunterricht oder der Kirche gehört hat. Ich muss zugeben irgendwie war das in dem Moment alles etwas unreal, ich hab keine Ahnung wie es für die war in unsere Gruppe die nicht christlich sind, aber bei mir kam erstmal der Gedanke hoch: Krass, und hier hat Jesus vielleicht mal gestanden und jetzt stehst du hier.
Alles in allem war dieser Ort einfach wunderbar friedlich, er hat eine Art Zufriedenheit auf mich ausgestrahlt, ich hab mich sofort wohl gefühlt. Ganz ehrlich Leute, wenn ihr mal die Möglichkeit habt, fahrt da unbedingt hin!

der kleine Dschungel
der kleine Dschungel
See Genezareth
See Genezareth

Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Jerusalem, wo wir 2 Tage bleiben sollten. Hier schauten wir uns viele wichtige Gedenkstätten an. Mir blieben von allen Programmpunkten die Klagemauer und Yad Vashem am besten in Erinnerung. Ich fand es einfach sehr beeindruckend, was für eine Atmosphäre um ersteres herum herrschte.
Yad Vashem ist eine Gedenkstätte, welche sich mit dem Holocaust beschäftigt. Hier merkte man wieder wie grausam die Menschheit sein kann, es war sehr bedrückend aber auch lehrreich und vor allem wichtig.
Zwischendurch hatten wir immer wieder Freizeit und konnten uns die Basare anschauen. Hier war handeln gefragt – was mir ziemlich viel Spaß gemacht hat. Die ganzen verschiedenen bunten Eindrücke auf den Märkten und in der Stadt haben zu dem tollen Reiseerlebnis beigetragen. Überall roch es nach Gewürzen, welche in den verschiedensten Farben in großen Säcken zum Verkauf standen, Wasserpfeifen in verschiedenen Größen, Tabak in den fruchtigsten Sorten, farbenfrohe Tücher und vieles mehr – ein bisschen durfte man sich wie im arabischen Märchen fühlen.

Gewürze auf dem Basar
Gewürze auf dem Basar
Wasserpfeifen
Wasserpfeifen
Jerusalem
Jerusalem

Nachdem wir wieder im Hostel angekommen waren, fiel mir ein: oh nein, morgen geht es ja zum Toten Meer. An sich ein ziemlich tolles Ausflugsziel, allerdings schaut ich besorgt auf meine Füße, diese waren vom herumlaufen nämlich von Blasen überseht und ich bekam leicht Panik. Das lag daran, dass uns vorher schon gesagt wurde wir sollen uns ja nicht direkt am Abend davor rasieren, das würde dann nämlich ziemlich brennen, aufgrund des hohen Salzgehaltes im Meer. Aber nun waren meine Blasen ja auch eine Art Wunde und ich war besorgt. So fragte ich meine Lehrerin um Rat und diese meinte nur zu mir: Stich sie dir alle vorm schlafen gehen auf, das wird morgen zwar erstmal sehr brennen, aber dann bist du sie los. Gesagt, getan – und sie hatte recht, nicht nur dass man durch den hohen Salzgehalt an der Oberfläche schwebt, nein durch die ganzen Mineralien im Wasser ist auch eine enorme Heilkraft vorhanden. Schwups – ca. eine Stunde nach dem wir wieder raus waren, sah ich keine einzige Blase mehr an meinem Fuß und meine Haut war weich wie ein Babypo. Ich kann allen die Probleme mit der Haut haben einen Besuch am Toten Meer nur ans Herz legen – die Heilkraft ist einfach gigantisch.

Totes Meer
Totes Meer

Vorher waren wir noch in der En Gedi Oase, welche in der Wüste Negev liegt. Dieses Gefühl, gleich mit der ersten großen Reise so viel mitnehmen zu können: Mittelmeer, See Genezareth, Wüste, Oase, Totes Meer, … – ich war einfach nur hin und weg. Wir waren dann auch in der Oase baden und das war bei den Temperaturen auch eine willkommene Abkühlung, vor allem in der Kulisse.

En Gedi Oase
En Gedi Oase

Anschließend ging es zurück zu den Gastfamilien und in den nächsten Tagen bekamen wir einen Eindruck wo unsere Freunde zur Schule gehen, wie die Stadt Ariel aussieht in denen sie lebten und wir besuchten ein besonderes Museum, welches von einem Holocaust Überlebenden privat gestaltet wurde. Dieser Besuch war wieder sehr emotional und es war für uns alle eine unglaubliche Ehre, dass er uns an seiner Geschichte teilhaben lies, denn unsere Kinder werden nicht mehr die Möglichkeit haben mit Zeitzeugen aus dieser Zeit in Kontakt zu treten.

Ein weiterer Höhepunkt war es, dass wir mit den Familien zusammen Shabat feiern durften. Dies ist in der jüdischen Religion eine allwöchentliche Ruhezeit und sie beginnt mit dem Sonnenuntergang am Freitag und endet mit dem selbigen am Samstag. Es gibt verschiedene Arten wie diese Zeit gehandhabt wird, bei den etwas strengeren Familien wird kein elektrisches Gerät benutzt, nicht gekocht usw. Meine Gastfamilie war eher locker drauf und so ging es für uns an den Strand und abends wurde sehr reichhaltig zusammen gegessen und gefeiert.

Mittelmeer genießen in Tel Aviv
Mittelmeer genießen in Tel Aviv

Nach diesen religiösen Tagen standen lediglich noch ein Besuch von Tel Aviv und unsere gemeinsame Abschlussfeier in Ariel an.
Viel zu schnell ging die Zeit in Israel um. Aber ich hab so viele tolle Sachen mitgenommen. Eine davon: es geht auch ohne Stress, das israelische Volk ist viel gelassener als wir Deutschen und das gefällt mir persönlich sehr gut. Immer wieder erwische ich mich heute noch dabei, wo ich mir selbst Stress mache und mich dann entsinne – es geht auch anders und gut.
Die ganze Mentalität von Israel hat mich so mitgerissen, dass ich unbedingt wieder dahin will und mir dabei denke:

Lasst uns noch einmal die Sterne greifen und den Himmel anmalen – bunt soll er sein mit all den Farben, welche das Glück uns so rüber schmeißt.

Eure strahlendeUnterschrift

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